Musikkassette – große Freiheit, fast vergessen

Inspiriert vom Spiegel-Artikel „Abschied vom Kassetten-Walkman“ erinnerte ich mich wieder an eine längst verdrängte Zeit:

Musikkassette

Musikkassette – mit Liebe bespielt, einem Kugelschreiber beschriftet und vom Leben gezeichnet

Früher, als die Welt noch analog und Musik ein rares Gut war, dürfte wohl für jeden der Besitz eines Kassettenrecorders der erste große Schritt auf dem Weg zur Individualisierung gewesen sein. Dieser Traum erfüllte sich für mich glücklicherweise schon mit ungefähr 10 Jahren in Form eines grauen Philips-Radio-Recorders – wenn auch nur in Monophonie. Endlich eine Waffe gegen den Blauen Bock, die ZDF-Hitparade und andere Angriffe auf meinen Geschmack. Endlich Die Ärzte, Iron Maiden, Depeche Mode und andere Helden meiner Kindheit/Jugend.

Dem unabhängigen Musikgenuss standen jedoch zwei Dinge im Weg:
Einerseits galt es, alles Taschengeld zusammenzukratzen und eine teure Leerkassetten zu beschaffen. Dieser meist transparenten Traumfänger von TDK, Maxell & Co. (dank fleißiger polnischer Schwarzmarkthändler auch in der DDR durchaus verfügbar) wollte dann perfekt bespielt werden*. Als Quelle kam hier das eingebaute Radio infrage. Alternativ das ebenfalls integrierte Mikrofon, welches, bspw. neben den Fernsehlautsprecher gehalten, zumindest halbwegs Verständliches aufs Magnetband bannen konnte. Wie auch immer, die Angst vor atmosphärischen Störungen oder einem dumm ins Musikstück quatschenden Moderator oder dem falsch berechneten Ende des Bandes während der Aufnahme blieb.

Blieb noch, die Kassette ordentlich zu beschriften und vollständig befüllt zu den anderen ins Regal zu stellen. Und von dort regelmäßig im Recorder zu versenken und abzuspielen. Das Einrast- und Schließgeräusch desselben habe ich auch heute noch gut in Erinnerung, leider auch der hin und wieder auftretenden Bandsalat 🙁

*Viel lieber hätte ich natürlich die Originale besessen. Die Auswahl „richtiger“ Musik war in der DDR jedoch sehr „überschaubar“. Dieser Wunsch erfüllte sich erst nach 1990. 1992 hielt ich dann meine erste CD in Händen.. und viele sollten noch folgen.

2 Gedanken zu „Musikkassette – große Freiheit, fast vergessen

    1. Timo

      Bitte kein Groll 😉
      Das Motiv hat sich eigentlich auch erst während des Fotografierens immer mehr entwickelt. Ursprünglich brauche ich nur ein Bild, das den Artikel ein wenig illustrieren sollte. Nach einigen Fotos wanderte der Blitz mit unterschiedlichster Leistung immer mehr hin und her … bis es mir gefiel.

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